Wwoofen ist schon echt eine Erfahrung für’s Leben: Man lernt das Leben in neuseeländischen Familien kennen, vollbringt Arbeiten, die man vorher nicht gemacht hat, isst Sachen, die man vorher nie gegessen hat und man hat einfach mal für mindestens eine Woche ein Zuhause.

Angefangen hat alles in Whangarei mit unserem cosy Caravan voller Ameisen und Spinnen, der mir persönlich schon den Rest gegeben hat. Aber dann habe ich es nochmal gewagt (dieses Mal mit Bibi und Diana) und bin bei einem Rentnerehepaar gelandet, welches uns zu einem besseren Lebensstandard verhelfen wollte. Super Haus, super Essen und gute Arbeit. Perfekt! Doch leider hat auch diese Zeit sehr schnell ein Ende gefunden und weiter ging es mit Karo in die Marlborough Sounds, wo Missy und Polly, die kleinen Schweinchen und der Kamera- Mann von Harry Potter auf uns warteten. Jaa, auch das war eine super Zeit! Wwoofen ist wohl doch nicht so schlecht! Als nächstes kam dann jedoch schon Pferde-Äppel sammeln in Warkworth mit einer ziemlich depressiven Frau und dem ewigen Gefühl nur billige Arbeitskräfte zu sein. Nicht wirklich schön!

Doch was mich hier bei meiner letzten Wwoofing- Familie erwartet hat, übertrifft erstmal alles! Im negativen wie im positiven Sinne…

Angefangen hat es dieses Mal damit, dass die Frau (Anne) mich über 1,5 Stunden zu spät in Auckland abgeholt hat und in der Zeit machte ich Bekanntschaft mit einer anderen Deutschen (Kristina), die dann ganz spontan mitgekommen ist. Als wir hier ankamen lächelte uns ein schönes, altes Holzhaus an, doch im Inneren überrollte uns die gähnende Leere. Das Haus war fast komplett leer, weil die die letzten 6 Monate hier wohl nicht gewohnt haben und so mussten wir bis zum letzten Tag immer im Stehen essen und wer als Schnellstes in der Küche war, bekam sogar einen Teller. Wow! Die Tochter (Jenny) war mir irgendwie nicht sehr sympathisch, was wohl daran lag, dass sie andauernd mit ihrem neon- gelben Zungenpiercing rumgespielt hat und dabei einfach nur behindert aussah! Zum Glück hatte ich nicht viel mit ihr zu tun, da musste ich mir das Elend wenigstens nicht den ganzen Tag anschauen! Von der Mutter und von Bibi, Diana und Verena, die auch hier gewwooft haben, habe ich im Vorraus schon Warnungen bekommen, dass der Sohn (Sam, 22) wohl nicht so ganz reine ist, aber was mich dann hier erwartet hat, hat mich trotzdem gewaltig vom Hocker gehauen. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll, aber versuche das jetzt alles erstmal zusammen zu fassen:

Also im Alter von 14 Jahren hat Sam seinen Vater verprügelt und ihn aus dem Haus geschmissen („Das war ein Idiot“), worauf hin sich die Eltern dann erstmal getrennt haben. Danach ist Sam von Zuhause ausgezogen, durch Neuseeland getrampt und hat erstmal die Drogen für sich entdeckt. Im Alter von 15 Jahren ist er von der Schule geflogen (er weiß nicht mehr warum) und seine Mutter, die an der Schule als Lehrerin arbeitet, wurde zwangsversetzt, weil die Schule heraus bekam, dass Sam nicht mehr bei ihr wohnte und jeden Tag zur Schule getrampt ist! Mit 18 wurde Sam dann Vater von Troy, mit dessen Mutter er natürlich nicht mehr zusammen ist und sich im Moment mit ihr ums Sorgerecht vor Gericht streitet. Nun wohnt er wieder bei seiner Mutter, jedoch nicht in dem schönen Haus, sondern im Schuppen neben dran und macht den ganzen Tag nichts anderes als (Gras) rauchen, Bierchen trinken und laut Musik hören. Und wenn er nicht in seinem Schuppen sitzt, dann ist er irgendwo unterwegs und quält Tiere. Das macht nämlich Spaß!

Wir durften einmal dabei zugucken, wie er den Kühen die Hörner abgeschnitten hat und die dabei total geblutet haben und er kichert rum und sein ganzer Oberkörper war voll mit Blut! Iargh! Dann kam er an und wollte uns umarmen, aber wir sind ganz schnell weggelaufen. Ach ja und was auch noch Spaß macht sind kleine deutsche Wwoofer- Mädchen zu ärgern. Vor gar nicht all zu langer Zeit war ein deutsches Mädchen hier und er bat sie dann, für ihn mal ein Huhn einzufangen. Sie, nichts ahnend warum sie es fangen sollte, händigte es ihm aus und dann zog er seine Axt und hackte dem Huhn vor ihren Augen den Kopf ab. Sie ist weggelaufen und kam nie mehr wieder… LUSTIG!

Naja, aber eigentlich ist er doch ganz nett und manchmal ist er wirklich ein guter Vater. Kaum zu glauben, aber wahr! Einen Abend wollte er mit Kristina und mir Glühwürmchen gucken und auf dem Weg dorthin habe ich mich ganze 3x aufs Maul gelegt. PEINLICH!!! Und nein, ich war nicht bekifft, ich weiß auch nicht, was da mit mir los war… Tollpatsch! Naja und wie es das Schicksal so wollte, war/bin ich die letzten 3 Tage mit Sam alleine hier, weil Kristina und Jenny zurück nach Auckland sind und die Mutter nach Alaska geflogen ist. Leider wurde das ganze Essen wieder aus dem Haus in Sams Schuppen gebracht, weil das Haus ab Samstag wieder vermietet wird und ich bis dahin nun ganz alleine hier bin. Weil der Schuppen aber der absoluteste Schweine- Stall ist, habe ich es bisher immer irgendwie geschafft, nicht dort zu essen. Immer wenn Sam unterwegs ist gehe ich in den Schuppen, mopps mir ein paar Sachen, krame hier im Haus wieder die ganzen Töpfe und Teller raus und koche dann heimlich in der gereinigten Küche. Ihr könnt euch wirklich nicht vorstellen, wie dreckig es da ist! Heute Nacht kam Sam nicht nach Hause und hat sich bis 2 Uhr auch nicht blicken lassen, also konnte ich mich schön ausruhen und dann nachher behaupten, 4 Stunden gearbeitet zu haben. Herrlich! Hier und da noch eine Schüppe hingelegt und die Wäsche abgenommen, damit er auch ja nicht anfängt zu zweifeln. Aber ich glaube, dass es ihm auch herzlichst egal ist, ob ich nun arbeite oder nicht. Jetzt hoffe ich erstmal, dass das morgen an meinem letzten Arbeitstag genau so läuft und ich die Zeit hier mit ihm überlebe! Denn er hat mich schon vorgewarnt, dass er mich nachts irgendwann packt und deutsches Würstchen aus mir macht. Yummi!